Vom Hirten zum Leiter

von
Lunathi im HOSA Hope Centre

Es ist der 14. Dezember 2014 und ein junger Mann namens Lunathi kommt zurück aus den abgelegenen Bergen. Einen Monat lang musste der 19-Jährige dort an einer Zeremonie teilnehmen, um in seiner Gemeinde als Mann anerkannt zu werden. Aber es sollte nicht lange dauern bis er HOSA Projektleiter Marco und Rene und das Team von Jugend mit einer Mission (JMEM) aus Köln trifft.

Die jungen Erwachsenen kamen im Januar 2015 für 10 Tage zum Evangelisieren in Lunathis Ort Engcobo, der mit einer 11-stündigen Fahrt aus Kapstadt zu erreichen ist. Was Lunathi zu der Zeit nicht wusste: Der 10-tägige Besuch des durch HOSA angeleiteten Teams sollte sein Leben auf den Kopf stellen.
In dem mit rund 10.000 Einwohnern bewohnte Ort lebte der junge Lunathi. Dort wurde er ohne seine Eltern von seiner Großmutter aufgezogen, die starb als er gerade einmal 11 Jahre alt war. Von einer Bekannten der Familie bekam er die Möglichkeit als Hirte zu arbeiten und bekam etwas Brot als Verdienst. Mit dem Tot seiner Oma und seiner einzigen Bezugsperson überkamen den Jungen jedoch Depressionen und Suizidgedanken. Er ging zurück zu dem Haus, in dem sein Vater mit einem Alkoholproblem sowie sein Onkel und seine Cousins lebten, zu denen er keine Beziehung aufbauen konnte.

Als er nicht mehr wusste wohin mit sich, wanderte er zur nächsten viel befahrenen Straße und entschied sich vom nächsten Auto überfahren zu lassen. Pure Verzweiflung schrie aus ihm, als kein Auto erschien – die Straße blieb einfach leer! Er beschimpfte Gott für sein unwürdiges Leben.

Sein Mordgedanke wurde durchkreuzt und der Überlebensgedanke erneut geweckt: Er entschied sich wieder als Hirte zu arbeiten und traf in dieser Zeit seinen 15-jährigen Nachbarn, der aus einer christlichen Familie stammt, aber kein gutes Wortes über die Christen verlor. Sie waren als sogenannte „Geh-Leute“, die jedem das Böse mit dem Schrei „Geh“ austreiben wollten, bekannt. Die Christen waren nicht beliebt in dem Ort.
Das konnte nicht alles sein. Lunathi ging in den Wald und hatte eine bleibende Erinnerung in seinem Kopf, als sich Gott ihm offenbarte. Er merkte wie er innerlich prüfte und verarbeitete was ihm erzählte wurde und realisierte plötzlich eine Veränderung in seinen Ansichten und seinem Verstand – ein Wandel und ein Friede überfielen ihn, der nicht greifbar und in diesem Moment unbeschreiblich für ihn war.

Damit stand für ihn fest: Er musste in die Kirche gehen! So beschloss er mit 15 Jahren den Kindergottesdienst zu besuchen und lernte anschaulich die Geschichten aus der Bibel. Zudem trat er dem Chor bei, den er bald wieder verließ, da für ungenügende Leistungen Schläge verteilt wurden.

Er konnte keinem mehr vertrauen, schloss jedoch seine Schule 2013 ab und blieb bei der Kirche, um der Pastorin bei Übersetzungen zu helfen. Als das Kölner Team dann Anfang 2015 mit Marco die Kirche der Pastorin besuchte, lernten sie den mittlerweile 19-Jährigen jungen Mann kennen. Er übersetzte von isiXhosa ins Englische, das er durch Lieder und Filme gelernt hatte.

Lunathi spürte, dass er mit Marco und dem Team seine Geschichte teilen sollte. Schnell war allen klar, dass in dem Jungen mehr steckte und sie ihm helfen wollten, sein Gott-gegebenes Potential zu entfalten.

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Jetzt, 2 Jahre später, hat Gott in Lunathi eine besondere Entwicklung offenbart. Er hat die Jüngerschaftsschule von JMEM in Muizenberg, Kapstadt abgeschlossen und hatte bereits die Möglichkeit nach Deutschland und in andere afrikanische Länder zu reisen. Am 24. Januar 2017 kam nun wieder ein wundervolles Team von JMEM Köln an, um für 5 Wochen mit HOSA in 7 de Laan Gottes Liebe zu verkünden – und wer hat besonders zu der Überraschung der wiederkehrenden JMEMer ihre Einsatzkoordination übernommen? Lunathi! Zusammen bringen sie die gute Botschaft in die Townships und veranstalten sonntags den Gottesdienst in 7 de Laan – danke für Eure wirklich fruchttragende Arbeit!

 

>>Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.<< Römer 12:2 

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